Sätze des Lebens II


Was ich im Leben gelernt habe.

Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens viele Erfahrungen, manche davon sind gut, manche schlecht, manche verbunden mit Schmerz, manche mit Freude. Und egal, ob die Erfahrungen gut oder schlecht sind: sie berühren uns, sie verändern uns und sie führen zu neuen Erkenntnissen.

Im Laufe meines Lebens mit sehr vielen unterschiedlichen Erfahrungen, haben sich einige „Lehrsätze“ herausgebildet, die für mich von ultimativer Wahrheit sind. Einer der Sätze lautet: 

Glaube nicht alles, was du denkst

Menschen werden geboren und wachsen in einer bestimmten Umgebung auf. Sie haben Bezugspersonen, meistens die Eltern, die ihre Erziehung übernehmen. Und wie erziehen die Eltern ihre Kinder? Indem sie ihnen beibringen, was richtig und falsch ist, was gut und böse ist, welche Verhaltensweisen sie von ihren Kindern erwarten. Der Erziehungsprozess bildet die Leitplanken des Kindes aus, mit deren Hilfe es sich in der zuerst sehr verwirrenden Welt zurechtfinden kann. Aus Kindersicht wiederum ist das Erlernen von „richtig“ und „falsch“ ein permanentes Herausfinden der eigenen Verhaltensspielräume und den Reaktionen der Umwelt auf sein Verhalten. So entwickelt sich im Laufe des Erwachsenenwerdens ein stabiles Gerüst von Annahmen darüber, wie wir und die Welt um uns herum funktionieren. In der Psychologie werden diese Annahmen „Glaubenssätze“ genannt: sie leiten uns an, wie wir uns am besten in der Welt verhalten, um ein stabiles Gleichgewicht zwischen uns und der Umwelt zu erreichen.

Diese Glaubenssätze sind meistens unbewusst, und sehr mächtig, weil sie zu einem frühen Zeitpunkt im Leben erworben werden, und quasi automatisiert zu einem bestimmten Verhalten führen.

Glaubenssätze lassen uns somit „ökonomisch“ verhalten, weil nicht mehr jede Situation neu bewertet und entsprechendes Verhalten neu erlernt werden muss. Sie ermöglichen ein reibungsloses Funktionieren in einer komplexen Welt, und sie können gut oder schlecht sein. Sind Glaubenssätze gut, dann fördern sie unsere Entwicklung, sind Glaubenssätze schlecht, behindern sie unsere Weiterentwicklung. Und manchmal sind Glaubenssätze beides: sie funktionieren für eine Weile, und wir kommen wunderbar im Leben zurecht. Dann tritt eine Veränderung ein, und wir merken, dass wir Schwierigkeiten haben, bei dieser Veränderung mitzugehen, und unsere bisherigen Verhaltensmöglichkeiten nicht ausreichen.

Ein Beispiel zur Entstehung von Glaubenssätzen:

Marie (5) hat Spaß daran, singend durch Haus zu hüpfen. Das macht ihr viel Freude und fühlt sich richtig an, denn sie folgt dabei einem Gefühl aus sich selbst heraus. Und deswegen macht sie das immer wieder, stundenlang.

Maries Eltern sind allerdings irgendwann mit ihrer Geduld am Ende und wollen das beenden. Ihr Vater fährt sie harsch an: „Du nervst einfach nur! Hör auf damit oder wir haben Dich nicht mehr lieb!“

Für ihren Vater sind das einfach im Zorn gesagte Sätze, von denen er weiß, dass sie nicht so gemeint sind. Aber Marie weiß das nicht und ist angesichts der Botschaft und des Tons geschockt. Die Frage, die sie sich dann stellt, könnte sein: „Wenn meine Eltern mich nicht mehr liebhaben, was passiert denn dann mit mir? Marie weiß instinktiv, dass sie ohne die Familie nicht überleben kann. Sie sucht also nach einer Lösung, um die aus ihrer Sicht drohende Gefahr abzuwenden. Schließlich setzt sie sich in ihr Zimmer und fängt an, still etwas zu spielen. Das fühlt sich für Marie zwar völlig falsch an, weil es nicht halb so viel Freude macht wie singend durchs Haus zu hüpfen. Aber ihr Vater hat ja gesagt, dass das falsch war, weil sie damit allen auf die Nerven geht.

Nach einiger Zeit kommen ihre Eltern in Maries Zimmer. Sie sind entspannt und wieder ganz liebevoll zu ihr. Und nun passiert unter Umständen etwas sehr Entscheidendes: Marie macht die Erfahrung, dass das, was sich für sie völlig richtig angefühlt hat – nämlich singend durchs Haus zu hüpfen – falsch sein muss. Und dass das, was sich völlig falsch anfühlt – nämlich still im Zimmer zu spielen – richtig sein muss, denn ihre Eltern sind nun wieder liebevoll. Damit lernt Marie, dass sie ihrem eigenen Gefühl nicht mehr vertrauen kann und das was ihre Eltern wollen richtig ist.

Und wie kann Marie zukünftig sicher sein, dass sie nichts tut, was die eben erlebte Gefahr wieder heraufbeschwört und ihre Eltern verärgert?

Der einzige Ausweg, um sich in Zukunft immer richtig zu verhalten ist, bei den Erwachsenen herauszufinden, was richtig ist und das dann zu tun, was diese richtig finden.

Ein anderes Beispiel für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Glaubenssätzen geben zwei Sprichwörter. Wir stellen uns folgende Situation vor.

Elternpaar 1 erzieht sein Kind getreu dem Motto: „Schuster, bleib bei deinen Leisten“
Elternpaar 2 erzieht sein Kind nach dem Motto. „Wer wagt, der gewinnt“

Was meint ihr, welche Arten von Persönlichkeiten diese unterschiedlichen Einstellungen der Eltern kreieren? Richtig: das erste Kind wird ermutigt, neue Erfahrungen zu machen und eine dementsprechende Persönlichkeitsstruktur ausbilden: neugierig, offen für Risiken und selbstbewusst. Das zweite Kind wird wahrscheinlich eher zurückhaltend sein, abwägen und weniger neugierig auf neue Erfahrungen sein.

Wenn nun Kind 2 im Laufe seines Lebens z.B. in eine Situation neuer beruflicher Herausforderungen gerät, wird dieses nun erwachsene Kind eher Schwierigkeiten haben, diese anzunehmen, als das erste Kind. Dabei sind Glaubenssätze weder „gut“ noch „schlecht“. In Kinderzeiten sichern sie die Grundbedürfnisse nach Liebe und Anerkennung, im Erwachsenenalter aber behindern sie oft. Sie können und sollten somit immer von neuem auf ihre Nützlichkeit für die momentane Lebensphase, die Aufgabe, das Umfeld, die Moral geprüft werden.

Anzeichen für negative, begrenzende Glaubenssätze sind:

  • Du hast oft das Gefühl, nicht gut genug oder falsch zu sein.
  • Du betrachtest und bewertest Dich selbst fast ausschließlich durch die Augen von anderen und versuchst, deren Erwartungen zu erfüllen.
  • Eigentlich weißt Du, was Du in einer bestimmten Situation tun müsstest oder was Dir guttun würde. Aber Du kannst es nicht umsetzen, irgendetwas in Dir hindert Dich daran.
  • Du spürst in bestimmten Situationen immer wieder einen „Glaswandeffekt“. Die Glaswand lässt Dich zwar Deinen Weg sehen, aber Du kannst ihn nicht gehen. Du verstehst nicht, was da immer wieder passiert und (ver-)zweifelst an Dir selbst. Du hast den Eindruck, mit Dir stimmt grundlegend etwas nicht und glaubst, Du bist irgendwie nicht richtig.

Dabei ist jetzt nur der Zeitpunkt, dich zu überprüfen und deine Glaubenssätze zu ermitteln und zu hinterfragen, ob sie noch passend sind. Glaubenssätze, die in der Kindheit erworben wurden und funktionierten, um das Wohlwollen der Umgebung zu sichern, müssen im Erwachsenenleben oftmals auf den Prüfstand gestellt werden und unter Umständen angepasst werden.

Dies ist in der Regel nicht einfach, da sie früh gelernt wurden und unser Verhalten aus dem Unterbewusstsein heraus steuern. Aber wenn wir in der Lage sind, diese Glaubenssätze zu benennen, können wir auch erkennen, wo und warum sie im Heute nicht mehr funktionieren. Und damit wir können sie anpassen, um eine persönliche Weiterentwicklung zu ermöglichen.

NUR MUT: es kann nichts Schlimmes passieren bei dieser kleinen Korrektur deines bisherigen Lebens.

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