Was ich im Leben gelernt habe
Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens viele Erfahrungen, manche davon sind gut, manche schlecht, manche verbunden mit Schmerz, manche mit Freude. Und egal, ob die Erfahrungen gut oder schlecht sind: sie berühren uns, sie verändern uns und sie führen zu neuen Erkenntnissen.
Im Laufe meines Lebens mit sehr vielen unterschiedlichen Erfahrungen, haben sich einige „Lehrsätze“ herausgebildet, die für mich von ultimativer Wahrheit sind. Einer der Sätze lautet:
Wenn du verwirrt bist, schaue auf das Verhalten und nicht auf die Worte
Worte können wundervoll sein, sie können verletzen, aufbauen, vernichten, bewegen. Sie können wahr sein, verwirren und lügen.
Sie sind das Instrument, mit dem wir uns ausdrücken und verständlich machen. Ein Mensch, der seiner Sprache beraubt ist, wird einsam. Sprache spielt eine zentrale Rolle, wenn Menschen miteinander interagieren. Und spätestens seit den Erkenntnissen des Psychotherapeuten und Philosophen Paul Watzlawick (Paul Watzlawick, Janet H. Beavin, Don D. Jackson. Menschliche Kommunikation. Huber Bern Stuttgart Wien 1969 ), wissen wir, dass es zwei Arten von Kommunikation gibt:
die verbale Kommunikation, mit der wir etwas sagen und die nonverbale Kommunikation, mit der wir eine Botschaft senden.
Stimmen beide Ebenen überein, erleben wir die Botschaft als wahr und den Menschen als authentisch. Stimmen beide Ebenen einer Botschaft nicht überein, sind wir verwirrt und wissen nicht, was „wahr“ ist, das gesprochene Wort oder die Botschaft, die uns non-verbal übermittelt wird, aber andere Signale sendet, als die verbale.
Ein Beispiel:
Sie: „liebst du mich?“
Er: „ Ja, Schatz, ich liebe dich“ Und dabei lächelt er seine Frau an.
Sie: „liebst du mich?“
Er: Ja, Schatz, ich liebe dich“ – ohne hinzusehen und in genervtem Tonfall
Im zweiten Beispiel weiß sie nicht, was sie von den beiden, nicht übereinstimmenden Botschaften halten soll und welcher sie Glauben schenken darf.
Aber welcher Ebene sollen wir „glauben“?
Das menschliche Denken ist metaphorisch strukturiert , d.h. Worte aktivieren mentale Modelle, sogenannte Frames, die tief in unseren neuronalen Netzwerken verankert sind. Diese Frames bestimmen, was wir aus einer Aussage herauslesen – und was nicht. Sie setzen automatisch Prioritäten im Verstehen und steuern unsere emotionalen Reaktionen. Sprache bestimmt unser Verhalten und löst emotionale Reaktionen in uns aus. Damit ist Sprache, sind Wörter ein Machtfaktor in zwischenmenschlichen Beziehungen. Sprache ist Macht. Menschen, die um diese Macht wissen, können andere Menschen mit Leichtigkeit manipulieren, vor allem, wenn es sich um eine emotionale Beziehung, z.B. eine Liebesbeziehung handelt.
In toxischen Beziehungen erleben wir oft, dass Frauen durch die Sprache ihres Partners verletzt, gedemütigt und kontrolliert werden. Meine Klientin, nennen wir sie Manuela, lebte in einer solchen Beziehung. Sie wurde misshandelt, beleidigt und ausgebeutet. Immer, wenn ihr Partner zu weit ging und sie versuchte, dagegen aufzubegehren und sich aus der Beziehung zu lösen, schaffte er es, sie mit seinen Worten und Liebeserklärungen zu beschwichtigen. Manuela befand sich in einem fortwährenden Kreislauf aus Gehen oder Bleiben. Als sie zu mir kam und mir ihre Beziehung schilderte, habe ich sie gefragt, was ihr Partner zu ihr sagt, wenn sie gehen will. Sie sagte „er liebt mich – das sagt er immer wieder, und dann kann ich ihn doch nicht allein lassen“. Als ich sie gebeten habe sein Verhalten zu schildern sagte sie, dass er sie demütige und beleidige. „Was soll ich denn nun glauben“, fragte sie mich.
Und ich antwortete: „wenn du unsicher bist, wie du einen Menschen einschätzen sollst, schaue auf sein Verhalten. Nicht seine Worte. Denn Worte sind nur Worte, aber am Verhalten eines Menschen erkennen wir, was er wirklich will.
Wenn also die verbale und die non-verbale Botschaft einer Handlung nicht übereinstimmen und uns verunsichern, sollten wir uns am Verhalten des Menschen orientieren. Dort erfahren wir die Wahrheit
