Selbstzweifel – nicht annehmen, was ist …

Selbstzweifel kennt jede(r) von uns: selbst die stabilste und ausgeglichenste Persönlichkeit kommt manchmal ins Zweifeln, ob er/sie eine bestimmte Aufgabe lösen kann, sich in einer Situation bewähren oder eine schwierige Zeit durchhalten kann. Er/sie zweifelt in diesem Moment an sich, durchsteht die Herausforderung und genießt den Erfolg und das gute Gefühl nach einer Bewährungsprobe.

So schaffen es viele Menschen, aber mindestens genauso viele kennen die nagenden Selbstzweifel davor, und das Flüchten vor der Situation. Fragen sind: werde ich es schaffen?

Bin ich gut/qualifiziert/schön/ klug u.v.m. genug, um es zu schaffen?

Oder die inneren Stimmen, die sagen: das schaffst du nie, du kannst das nicht, du kannst gar nichts, nie gelingt dir was, Versager…….

Ich könnte ohne Ende diese negativen Kritiker in uns aufzählen – viel wichtiger sind aber die Fragen, woher diese Stimmen in uns kommen und noch wichtiger, wie wir damit umgehen können und sie bestenfalls zum Schweigen bringen können.

Bevor wir Erwachsene werden, sind wir viele Jahre Kinder. Als diese gehen wir erst mal unvoreingenommen auf die Welt zu und entdecken sie. Beim Laufen lernen stehen wir wackelig auf, stehen einige Sekunden und fallen wieder hin. Das machen wir unzählige Male und unermüdlich, bis wir den Dreh raushaben und laufen können. Aufgeben? Nein! Ist einfach keine Alternative. Und es gibt niemanden dabei, der uns entmutigt und sagt: „das schaffst du sowieso nicht“ und „bleib doch einfach für immer sitzen“. Das Beispiel klingt einfach, enthält aber alle wesentlichen Komponenten, mit denen selbstbewusste Menschen erzeugt werden: wir wollen etwas unbedingt (Motivation), wir werden unterstützt auf dem Weg zum Ziel und beim Erreichen gelobt.

Leider bleibt es in der Kindheit nicht so: wir wollen Dinge ausprobieren, und unser Umfeld zweifelt: „pass bloß auf“, „nicht….!“, „Vorsicht“, „dafür bist du noch zu klein“, „das schaffst du nicht“, „wehe, wenn du….“.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass weder Eltern noch Lehrer oder andere wichtige Personen in unserem Umfeld uns mit solchen Sätzen bewusst schaden wollen. Sie wollen uns vor Schaden bewahren, agieren aus eigenen Ängsten, Konventionen oder Unsicherheiten heraus und übertragen damit ihre Ängste und Selbstzweifel auf uns. Jede (r) von uns lebt in der Kindheit in seinem eigenen, kleinen Mikrokosmos mit ganz unterschiedlichen Unterstützungs- oder Eingrenzungserfahrungen, die sich ganz unterschiedlich auswirken. Wenn ich aber feststelle, dass ich als erwachsener Mensch mir nicht viel zutraue, an meinen Fähigkeiten zweifle, Herausforderungen vermeide oder sogar bei Erfolgen diese nicht mir selbst, sondern unsicheren Faktoren wie „Glück“ oder „Zufall“ zuschreibe, dann sollte ich Hingucken, woher meine Selbstzweifel kommen, wie es in meiner Kindheit war, und welche Glaubenssätze ich über mich verinnerlicht habe aus dieser Zeit:

„du schaffst das nicht“
„du schaffst ja nie was“
„du bist ein Versager“
„sei nicht so schwierig“

Um nur einige zu nennen. Es gibt sogar negative Glaubenssätze und innere Kritiker, die von Generation zu Generation weitergegeben werden „eine (r) …… macht sowas nicht“.

Unabhängig davon, wie der Satz lautet, er hat eine wichtige Konsequenz:

Er verhindert, dass wir uns was zutrauen und blockiert damit unsere Weiterentwicklung. Es ist unerlässlich, dass im Leben Herausforderungen auf uns zukommen und eine Weiterentwicklung notwendig machen. Und dann stehen wir da, sind völlig blockiert, wissen nicht, ob links oder rechts rum und stecken vielleicht den Kopf in den Sand, versuchen eine Situation „auszusitzen“. Macht uns das zufrieden? Nein! Denn neben den nagenden Selbstzweifeln kommen auch noch Stimmen dazu wie „Versager“, „Schwächling“ und ähnliche.

Vor allem, wenn sich solche Situationen wiederholen, ich immer wieder feststecke, geht das Selbstwertgefühl immer weiter in den Keller.

Aber es gibt eine gute Nachricht:

Vieles, was wir sind, haben wir gelernt.
Und: was wir ge-lernt haben, können wir auch ver-lernen!
Alles, was wir über uns glauben, haben wir gelernt zu glauben
Und: wie wir über uns denken, dürfen wir ändern

Um Selbstzweifel zu erkennen gibt es eine gute Übung:

  • Schreibe deine größten Selbstzweifel, die du in deiner Kindheit hattest, auf ein Blatt Papier.
  • Bringe sie in eine hierarchische Reihenfolge.
  • Schau dir deinen größten Selbstzweifel an und versetze dich in eine entsprechende Situation.
  • Überlege: an was hindert dich der Zweifler-Satz heute.
  • Vor was beschützt der Zweifler-Satz dich heute (alles hat auch eine gute Seite): z.B. ich muss keine Verantwortung übernehmen, ich muss mich einem Konflikt nicht stellen, ich mache keine Fehler.
  • Und: was könntest du heute, wenn du NICHT auf ihn hören würdest? Notiere dir die Punkte, an was er dich hindert.
  • Wir sollten immer beide Seiten betrachten, die negativen und die positiven Folgen des Zweifler-Satzes.
  • Zum Schluss: formuliere deinen negativen, hinderlichen Glaubenssatz in einen positiven um.

Beispiele:

SELBSTZWEIFLER/GLAUBENSSATZ.
Ich schaffe das nicht (Auseinandersetzung mit einem Kollegen)

POSITIVE TRANSFORMATION:
Ich schaffe das: ich kann mich auseinandersetzen

NEGATIVE FOLGEN:
Der Satz hindert mich daran, meine Wünsche /Ziele zu vertreten

POSITIVE FOLGEN:
Der Satz schützt mich davor, abgelehnt zu werden, wenn ich Stellung beziehe

ZIEL:
Ich könnte selbstbewusst sein, Wünsche äußern, Grenzen setzen

UMFORMULIERUNG:
Ich kann mich auseinandersetzen und werde trotzdem gemocht/respektiert

Bevor wir in einer entsprechenden Situation sind, die unsere Selbstzweifel hervorruft, hilft uns eine weitere Übung, die uns stark macht:

Wir überlegen uns:

Welche Tätigkeiten beherrsche ich wirklich gut?
Was macht mir Spaß und motiviert mich?
Wo erziele ich meine größten Erfolge?
Wie habe ich diese Erfolge erreicht? Wie gehe ich mit Rückschlägen um?
Kann ich mich schnell an ein neues Umfeld anpassen?

Eine bewusste Beantwortung dieser Fragen baut unser Selbstwertgefühl auf und bringt uns vor kritischen Situationen in eine gute Ausgangslage. Denn wir sind so darauf festgelegt, nur wahrzunehmen, was nicht klappt oder mies läuft, dass wir unsere Stärken einfach „vergessen“. Und sich diese ab und zu einmal vor Augen zu führen, baut Selbstwert auf und Selbstzweifel ab.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß und interessante Erkenntnisse.

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